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Technisches Forum Sicherheit

Frage 183: Cybersicherheit rund ums Tiefenlager

Die Cyberbedrohungen nehmen von Jahr zu Jahr massiv zu und werden immer ausgefeilter. Zu den üblichen Cybersicherheitsbedrohungen gehören Ransomware und andere Malware, Phishing-Betrug, Datendiebstahl und in jüngerer Zeit auch Angriffe, die durch künstliche Intelligenz (KI) unterstützt werden. Neben Hackern, die aus den Angriffen Geld (Erpressung) generieren wollen, gibt es offensichtlich auch Staaten, die solche Angriffe fördern oder selbst ausführen.

  1. Wie werden die Mitarbeiter, die Systeme und die Daten vor Cyberangriffen geschützt?
  2. Hat die NAGRA eine Gesamtrisikomanagementstrategie?
  3. Ist darin das Cyberrisikomanagement enthalten?

Thema , Bereich
Eingegangen am 5. März 2026 Fragende Instanz Forum VERA
Status beantwortet
Beantwortet am 21. Juli 2026 Beantwortet von ,

Beantwortet von ENSI

a)

Das ENSI betreibt eine integrierte Aufsicht. Dies bedeutet, dass nukleare Sicherheit, nukleare Sicherung und IT-Sicherheit im Zusammenhang und mit entsprechendem Abgleich der regulatorischen Anforderungen erfolgt. Wenn es um die IT-Sicherheit geht, also um die Sicher­stellung der Informationssicherheit in der Anwendung von Systemen, Strukturen und Komponenten der Informationstechnik, dann reguliert das ENSI dies unter Berücksichtigung internationaler Empfehlungen (IAEA, ISO/IEC, NIST, BSI usw.) in der vertraulich klassifizierten Richtlinie ENSI-G22. Diese Richtlinie verlangt die Anwendung eines stufengerechten Schutzes, welcher mittels einer Kombination von Massnahmen (organisatorisch, administrativ, baulich und technisch) umzusetzen ist. In der Auslegung des IT-Sicherheitskonzeptes werden Methoden wie eine gestaffelte Sicherheitsarchitektur (sog. Defence-in-Depth) mittels «Zonenkonzept» und die Prinzipien der Aufgabentrennung («Segregation-of-duties»), der minimalen Berechtigungen («least privilege») und die Regelung des Informationszuganges «need-to-know», berücksichtigt. Die Angemessenheit der technischen IT-Sicherheitsmass­nahmen wird regelmässig in Bedrohungsanalysen bewertet und deren Wirksamkeit durch Prüfungen verifiziert. Die Umsetzung und Erfüllung dieser Anforderungen obliegt den Betreibern der Kernanlagen und wird durch das ENSI beaufsichtigt. Die vom ENSI vorgegebenen Massnahmen umfassen unter anderem:

  • Sichere Installation und Modifikation:
    Die sichere Installation oder Modifikation von IT-Systemen (Hardware und Software) basiert auf integritätsgesicherten, nachvollziehbaren Quellen der verwendeten Komponenten. Nachweise betreffend die angewandte IT-Sicherheit in der Lieferkette sind gefordert und die Installationsprozedur soll definiert sein.
  • Funktionsreduktion und Härtung von Hardware und Software:
    Mittels Funktionsreduktion insbesondere an kommerziellen Betriebssystemen verringert sich die Angriffsfläche markant. Die Härtung umfasst nicht nur die spezifischen Geräte, sondern setzt den Akzent auch auf die Darlegung der Notwendigkeit von Datenkommunikationskanälen. Automatismen, dynamische Funktionen und Standard-Konfigurationen sind bei der Einbindung von IT-Systemen in IT-Netzwerke möglichst zu vermeiden.
  • Überwachen und Auswerten von Bewegungsdaten:
    Obwohl abwehrende IT-Sicherheitsmassnahmen anzubringen sind, ist damit nicht ausgeschlossen, dass zugeschnittene Angriffe mit seltenen Datentransfers erfolgreich sein könnten. Eine geeignete Kombination von Echtzeitüberwachungs- und Analysesystemen und periodischer Auswertung von Aufzeichnungen kann darüber Aufschluss geben.
  • Regelmässige Prüfung der Integrität der IT-Sicherheitsmassnahmen:
    Da es sich teilweise um komplexe IT-Systeme handelt, welche nicht vollständig virtuell simuliert oder physisch nachgebaut werden können, sind Wirksamkeitsprüfungen festzulegen.
  • Eventualplanung als vorbereitete Strategie auf IT-Sicherheitsereignisse:
    Eine verifizierte und validierte Strategie zur Reaktion auf mögliche IT-Sicherheitsereignisse ist festzulegen und mit den darin bezeichneten Stellen und Funktionen regelmässig zu üben.

  • Systemadministration und Dokumentation vorgenommener Veränderungen:
    Für den sicheren Betrieb von IT-Systemen sind eine sorgfältige Planung und Durchführung der Administrationstätigkeiten sowie deren Dokumentation sicherzustellen. Dies sichert eine fortwährende hohe Sicherheit auch bei einem Generationenwechsel ab.

Mit der vorgenannten Praxis werden die spezifischen Schutzziele der Informationssicherheit erfüllt.

Beantwortet von Nagra

Ausgangslage und Schutzmodell

Die aktuelle Bedrohungslage zeigt, dass Cybersicherheit weit mehr umfasst als den Schutz von IT-Systemen. Cyberangriffe nutzen technische Schwachstellen ebenso aus wie menschliche Fehler, kompromittierte Benutzerkonten oder unsichere Prozesse. Zu den relevanten Risiken zählen insbesondere Phishing, Social Engineering, Angriffe auf Benutzerkonten, Ransomware, Schwachstellen in Systemen und Lieferketten sowie zunehmend KI-gestützte Angriffs- und Betrugsmethoden.

Die Nagra begegnet diesen Risiken mit einem ganzheitlichen und mehrschichtigen Schutzmodell. Dieses umfasst die Absicherung von Mitarbeitenden, Identitäten, Geräten, Daten, Anwendungen und Infrastruktur sowie die Fähigkeit, Sicherheitsereignisse frühzeitig zu erkennen, wirksam zu behandeln und betroffene Systeme wiederherzustellen. Cybersicherheit wird dabei als Zusammenspiel von organisatorischen, personellen und technischen Massnahmen verstanden. Folgende Beispiele veranschaulichen dies.

Daten und Informationen werden durch klare Verantwortlichkeiten, Klassifikation, rollenbasierte Berechtigungen und angemessene Schutzmassnahmen gesichert. Systeme und Infrastruktur werden unter anderem durch kontrollierte Zugriffe, Segmentierung, Schwachstellenmanagement, Monitoring sowie Backup- und Wiederherstellungsverfahren geschützt. Ergänzend sorgen etablierte Prozesse zur Erkennung und Behandlung von Sicherheitsvorfällen dafür, dass Risiken frühzeitig erkannt, bewertet und eingegrenzt werden können.

b)

Ja, die Nagra verfügt über ein unternehmensweites Gesamtrisikomanagement, in dem wesentliche Risiken systematisch identifiziert, bewertet und gesteuert werden. Die Betrachtung erfolgt dabei nicht isoliert innerhalb einzelner Fachbereiche, sondern aus einer übergeordneten Unternehmensperspektive.

Cybersicherheit ist in diesem Rahmen als eines der Top-Ten-Risiken der Nagra eingestuft. Cyberrisiken werden nicht als rein technisches Thema betrachtet, sondern als Unternehmensrisiken mit potenziellen Auswirkungen auf Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen, auf die Betriebskontinuität sowie auf Reputation und Auftragserfüllung.

Das Schutzmodell schafft Transparenz über wesentliche Bedrohungen und bestehende Schutzmassnahmen und unterstützt die systematische Identifikation und Bewertung von Risiken. Es unterstützt die Unternehmensführung bei der Beurteilung des Sicherheitsniveaus, der Priorisierung von Massnahmen sowie der Überwachung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberbedrohungen.

c)

Ja, das Cyberrisikomanagement ist integraler Bestandteil des Gesamtrisikomanagements der Nagra. Sein Ziel ist es, Cyberrisiken frühzeitig zu erkennen, angemessen zu reduzieren und die Handlungsfähigkeit der Organisation auch im Ereignisfall sicherzustellen.

Die Grundlage bilden strategische und organisatorische Leitplanken wie die Informations- und Kommunikationstechnologie-Strategie, definierte Governance-Strukturen, Standardisierung, Harmonisierung sowie eine kontrollierte Nutzung von Plattformen und Diensten. Darauf aufbauend werden risikobasierte Schutzmassnahmen umgesetzt.

Ein zentraler Bestandteil ist der Schutz von Mitarbeitenden, Identitäten, Geräten und Daten. Mitarbeitende werden durch Sensibilisierungsprogramme, Schulungen, klare Verhaltensregeln und etablierte Meldewege unterstützt, damit sie verdächtige Aktivitäten frühzeitig erkennen und melden können. Zugriffe auf Systeme und Informationen erfolgen nach dem Prinzip kontrollierter Zugriffe und orientieren sich am Zero-Trust-Ansatz, bei dem jede Zugriffsanfrage unabhängig vom Standort oder Benutzer überprüft wird.

Ebenso wichtig sind die Fähigkeiten zur Erkennung und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle. Hierzu zählen unter anderem Monitoring, Protokollierung, Managed Detection and Response (MDR; Überwachung, Analyse und Unterstützung bei der Reaktion auf Cyberangriffe durch einen spezialisierten Sicherheitsdienstleister), Network Detection and Response (NDR; Analyse des Netzwerkverkehrs zur Erkennung verdächtiger Aktivitäten), Dark-Web-Monitoring sowie definierte Abläufe zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen, sogenannte Incident-Response-Prozesse. Diese Massnahmen unterstützen die frühzeitige Identifikation, Bewertung und Eindämmung potenzieller Angriffe.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Resilienz der Organisation. Backup- und Wiederherstellungskonzepte, Notfallvorsorge, definierte Wiederanlauf- und Wiederherstellungsziele (Recovery Time Objective und Recovery Point Objective) sowie regelmässige Tests stellen sicher, dass kritische Systeme, Daten und Geschäftsprozesse nach einem Vorfall innert angemessener Frist wiederhergestellt werden können.

Cyberrisikomanagement umfasst somit den gesamten Lebenszyklus: Von der Prävention über die Erkennung und Reaktion bis hin zur Wiederherstellung und kontinuierlichen Verbesserung. Bei der Ausgestaltung ihres Cyberrisikomanagements orientiert sich die Nagra an anerkannten Sicherheitsprinzipien, regulatorischen Anforderungen, etablierten Standards und bewährten Best Practices.

Zusammenfassung

Die Nagra verfügt über ein unternehmensweites Gesamtrisikomanagement, in dem Cyberrisiken als wesentliche Unternehmensrisiken berücksichtigt werden. Das Cyberrisikomanagement verbindet organisatorische, personelle und technische Massnahmen zur Prävention, Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung. Art und Umfang der Massnahmen richten sich risikobasiert nach Schutzbedarf, Kritikalität, Bedrohungslage und den anwendbaren Anforderungen und werden laufend weiterentwickelt.

Absolute Sicherheit kann nicht garantiert werden. Ziel der Nagra ist es, Cyberrisiken auf ein vertretbares Mass zu reduzieren und ihre Handlungsfähigkeit im Ereignisfall bestmöglich zu erhalten beziehungsweise zeitnah wiederherzustellen.