Ausgangslage und Schutzmodell
Die aktuelle Bedrohungslage zeigt, dass Cybersicherheit weit mehr umfasst als den Schutz von IT-Systemen. Cyberangriffe nutzen technische Schwachstellen ebenso aus wie menschliche Fehler, kompromittierte Benutzerkonten oder unsichere Prozesse. Zu den relevanten Risiken zählen insbesondere Phishing, Social Engineering, Angriffe auf Benutzerkonten, Ransomware, Schwachstellen in Systemen und Lieferketten sowie zunehmend KI-gestützte Angriffs- und Betrugsmethoden.
Die Nagra begegnet diesen Risiken mit einem ganzheitlichen und mehrschichtigen Schutzmodell. Dieses umfasst die Absicherung von Mitarbeitenden, Identitäten, Geräten, Daten, Anwendungen und Infrastruktur sowie die Fähigkeit, Sicherheitsereignisse frühzeitig zu erkennen, wirksam zu behandeln und betroffene Systeme wiederherzustellen. Cybersicherheit wird dabei als Zusammenspiel von organisatorischen, personellen und technischen Massnahmen verstanden. Folgende Beispiele veranschaulichen dies.
Daten und Informationen werden durch klare Verantwortlichkeiten, Klassifikation, rollenbasierte Berechtigungen und angemessene Schutzmassnahmen gesichert. Systeme und Infrastruktur werden unter anderem durch kontrollierte Zugriffe, Segmentierung, Schwachstellenmanagement, Monitoring sowie Backup- und Wiederherstellungsverfahren geschützt. Ergänzend sorgen etablierte Prozesse zur Erkennung und Behandlung von Sicherheitsvorfällen dafür, dass Risiken frühzeitig erkannt, bewertet und eingegrenzt werden können.
b)
Ja, die Nagra verfügt über ein unternehmensweites Gesamtrisikomanagement, in dem wesentliche Risiken systematisch identifiziert, bewertet und gesteuert werden. Die Betrachtung erfolgt dabei nicht isoliert innerhalb einzelner Fachbereiche, sondern aus einer übergeordneten Unternehmensperspektive.
Cybersicherheit ist in diesem Rahmen als eines der Top-Ten-Risiken der Nagra eingestuft. Cyberrisiken werden nicht als rein technisches Thema betrachtet, sondern als Unternehmensrisiken mit potenziellen Auswirkungen auf Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen, auf die Betriebskontinuität sowie auf Reputation und Auftragserfüllung.
Das Schutzmodell schafft Transparenz über wesentliche Bedrohungen und bestehende Schutzmassnahmen und unterstützt die systematische Identifikation und Bewertung von Risiken. Es unterstützt die Unternehmensführung bei der Beurteilung des Sicherheitsniveaus, der Priorisierung von Massnahmen sowie der Überwachung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberbedrohungen.
c)
Ja, das Cyberrisikomanagement ist integraler Bestandteil des Gesamtrisikomanagements der Nagra. Sein Ziel ist es, Cyberrisiken frühzeitig zu erkennen, angemessen zu reduzieren und die Handlungsfähigkeit der Organisation auch im Ereignisfall sicherzustellen.
Die Grundlage bilden strategische und organisatorische Leitplanken wie die Informations- und Kommunikationstechnologie-Strategie, definierte Governance-Strukturen, Standardisierung, Harmonisierung sowie eine kontrollierte Nutzung von Plattformen und Diensten. Darauf aufbauend werden risikobasierte Schutzmassnahmen umgesetzt.
Ein zentraler Bestandteil ist der Schutz von Mitarbeitenden, Identitäten, Geräten und Daten. Mitarbeitende werden durch Sensibilisierungsprogramme, Schulungen, klare Verhaltensregeln und etablierte Meldewege unterstützt, damit sie verdächtige Aktivitäten frühzeitig erkennen und melden können. Zugriffe auf Systeme und Informationen erfolgen nach dem Prinzip kontrollierter Zugriffe und orientieren sich am Zero-Trust-Ansatz, bei dem jede Zugriffsanfrage unabhängig vom Standort oder Benutzer überprüft wird.
Ebenso wichtig sind die Fähigkeiten zur Erkennung und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle. Hierzu zählen unter anderem Monitoring, Protokollierung, Managed Detection and Response (MDR; Überwachung, Analyse und Unterstützung bei der Reaktion auf Cyberangriffe durch einen spezialisierten Sicherheitsdienstleister), Network Detection and Response (NDR; Analyse des Netzwerkverkehrs zur Erkennung verdächtiger Aktivitäten), Dark-Web-Monitoring sowie definierte Abläufe zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen, sogenannte Incident-Response-Prozesse. Diese Massnahmen unterstützen die frühzeitige Identifikation, Bewertung und Eindämmung potenzieller Angriffe.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Resilienz der Organisation. Backup- und Wiederherstellungskonzepte, Notfallvorsorge, definierte Wiederanlauf- und Wiederherstellungsziele (Recovery Time Objective und Recovery Point Objective) sowie regelmässige Tests stellen sicher, dass kritische Systeme, Daten und Geschäftsprozesse nach einem Vorfall innert angemessener Frist wiederhergestellt werden können.
Cyberrisikomanagement umfasst somit den gesamten Lebenszyklus: Von der Prävention über die Erkennung und Reaktion bis hin zur Wiederherstellung und kontinuierlichen Verbesserung. Bei der Ausgestaltung ihres Cyberrisikomanagements orientiert sich die Nagra an anerkannten Sicherheitsprinzipien, regulatorischen Anforderungen, etablierten Standards und bewährten Best Practices.
Zusammenfassung
Die Nagra verfügt über ein unternehmensweites Gesamtrisikomanagement, in dem Cyberrisiken als wesentliche Unternehmensrisiken berücksichtigt werden. Das Cyberrisikomanagement verbindet organisatorische, personelle und technische Massnahmen zur Prävention, Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung. Art und Umfang der Massnahmen richten sich risikobasiert nach Schutzbedarf, Kritikalität, Bedrohungslage und den anwendbaren Anforderungen und werden laufend weiterentwickelt.
Absolute Sicherheit kann nicht garantiert werden. Ziel der Nagra ist es, Cyberrisiken auf ein vertretbares Mass zu reduzieren und ihre Handlungsfähigkeit im Ereignisfall bestmöglich zu erhalten beziehungsweise zeitnah wiederherzustellen.