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Typische Schweizer Merkmale und ihr Einfluss auf die Sicherheits- und Aufsichtskultur

Professionalität, Genauigkeit, persönliche Verantwortung: solche typischen Schweizer Eigenschaften unterstützen eine gute Sicherheitskultur. Andere typische Merkmale wie Konsensorientierung und Selbstzufriedenheit hingegen könnten einen negativen Einfluss haben, schreibt die NEA/OECD in ihrem nun veröffentlichten Bericht zum Country-Specific Safety Culture Forum Switzerland von Ende 2024.

Country Specific Safety Culture Forum (CSSCF) Switzerland

Am 19. und 20. November 2024 fand in Bern das Country-Specific Safety Culture Forum (CSSCF) Switzerland statt. Vertreterinnen und Vertreter des ENSI, von anderen Bundesbehörden und den nuklearen Anlagen setzten sich mit der schweizerischen Landeskultur auseinander und untersuchten deren Einfluss auf die Sicherheitskultur von Kernanlagen und analog dazu auf die Aufsichtskultur des ENSI. Die Ergebnisse dieses Anlasses und von Interviews, die vorher stattgefunden hatten, wurden in einem Bericht der Nuclear Energy Agency (NEA), einer Institution der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), festgehalten und am15. April 2026 publiziert.

«Die Schweizer Nuklearindustrie legt grossen Wert auf nukleare Sicherheit und weist daher bereits viele Merkmale auf, die einer gesunden Sicherheitskultur förderlich sind. Insbesondere profitiert die Schweizer Nuklearindustrie von einem hohen Mass an Professionalität und Genauigkeit», fasst die NEA zusammen.

Anstatt eine ausführliche Darstellung oder Bewertung der Schweizer Kultur oder ihrer nuklearen Sicherheitskultur zu liefern, soll dieser Bericht zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheitskultur in den Nuklearanlagen und zur Aufsichtskultur der Aufsichtsbehörden beitragen und diese unterstützen, schreiben die Autoren der NEA/OECD.

Wirkung von nationalen kulturellen Eigenschaften hängt vom Kontext ab

Der Bericht betont, dass nationale kulturelle Eigenschaften in sich selbst weder positiv noch negativ sind – ihre Wirkung hängt vielmehr vom jeweiligen Kontext ab. In bestimmten Situationen können sie eine starke Sicherheitskultur fördern und konstruktives Organisationsverhalten unterstützen. Werden sie jedoch nicht bewusst reflektiert und angemessen berücksichtigt, können sie auch Herausforderungen für die Sicherheitskultur mit sich bringen.

Die Ergebnisse des CSSCF Schweiz ergaben gemäss der NEA acht Schlüsselmerkmale, die für die Schweizer Kultur charakteristisch sind: Konsensbildung, Pragmatismus, lösungsorientierte Denkweise, starkes Verantwortungsbewusstsein, Engagement für Genauigkeit, Bescheidenheit in Verbindung mit höflicher Zurückhaltung, Tendenz zur Konfliktvermeidung und Stolz mit geringer Selbstkritik. Diese nationalen Besonderheiten wirken sich auf verschiedene Aspekte der Sicherheitskultur aus.

Gleichzeitig wurden auch weitere Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert – etwa im Dialog zwischen Aufsichtsbehörde und Betreibern, im Umgang mit Genderfragen sowie hinsichtlich bestimmter Kulturunterschiede zwischen schweizerischen beziehungsweise deutschen Fachleuten. Zusätzlich wurde im Bericht eine Reihe von weiterführenden Fragen identifiziert, um die teilnehmenden Organisationen dazu anzuregen, die eigene Sicherheitskultur weiter zu reflektieren und zu stärken.

«Das Forum hat uns wichtige Impulse für die Selbstreflexion und die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Sicherheitskultur gegeben. Nun werden wir uns mit diesen Erkenntnissen auseinandersetzen – und wir ermutigen auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, diesen Prozess der Reflexion und Verbesserung in ihren Organisationen weiterzuführen», sagt ENSI-Direktor Marc Kenzelmann.

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