Von der Auslegung und der Betriebserfahrung, den Ergebnissen von Störfallanalysen, der Organisation und dem Personal bis hin zur Alterungsüberwachung der gesamten Technik und dem Notfallschutz: Mit einer umfassenden Überprüfung der Sicherheit weisen Betreiber nach, dass ihre Kernkraftwerke (KKW) die gesetzlichen Vorgaben zur nuklearen Sicherheit und zum Strahlenschutz erfüllen. Alle zehn Jahre reichen sie dem ENSI eine umfassende Sicherheitsüberprüfung, die sogenannte periodische Sicherheitsüberprüfung (PSÜ), ein.
Ende 2022 reichte das KKW Leibstadt die Unterlagen zur PSÜ für den Überprüfungszeitraum vom 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2021 ein. Erstmalig hat das KKW Leibstadt aufgrund seines Alters den PSÜ-Unterlagen auch einen Sicherheitsnachweis für den Langzeitbetrieb (das heisst, für den Betrieb über 40 Jahre hinaus) beigelegt. Nach ausführlicher Überprüfung veröffentlicht das ENSI nun seine sicherheitstechnische Stellungnahme dazu.
Das ENSI kommt in seiner Stellungnahme zu dem Schluss, dass das KKW Leibstadt im Beurteilungszeitraum umsichtig betrieben wurde und sich auf einem guten sicherheitstechnischen Niveau befand. So waren die grundlegenden nuklearen Schutzziele «Kontrolle der Reaktivität», «Kühlung der Brennelemente», «Einschluss der radioaktiven Stoffe» und «Begrenzung der Strahlenexposition» stets erfüllt. Das Barrierenkonzept ist wirksam und die physischen Barrieren sind in einem einwandfreien Zustand. Das Konzept der gestaffelten Sicherheitsvorsorge wird auf allen Sicherheitsebenen vollständig erfüllt.
Damit das Sicherheitsniveau der Anlage weiter erhöht wird, stellt das ENSI eine Reihe an Forderungen. Die Forderungen zielen beispielsweise darauf ab, eine systematische Überprüfung der Auslegung sicherheitstechnisch wichtiger Komponenten durchzuführen, die deterministischen und probabilistischen Störfallnachweise zu verbessern und Optimierungen in den Bereichen Brand- und Notfallschutz vorzunehmen. In den Kapiteln 1 bis 9 der sicherheitstechnischen Stellungnahme geht das ENSI detailliert auf diese und andere Themen ein.
Hohes Sicherheitsniveau ist die Basis für den Langzeitbetrieb
Ende 2024 ging das KKW Leibstadt nach vier Jahrzehnten Betrieb in den Langzeitbetrieb über. Um auch in Zukunft und mit zunehmender Alterung der Anlage ein hohes Sicherheitsniveau zu gewährleisten, hat das KKW Leibstadt neben seinem Alterungsüberwachungsprogramm und dem Betriebsdauermanagement ein umfassendes Nachrüstungskonzept erarbeitet und bereits im laufenden Aufsichtsverfahren mit dessen Umsetzung begonnen. Für die Grosskomponenten (Reaktordruckbehälter mit Einbauten, Umwälzschleifen, nukleares Dampferzeugungssystem, Stahldruckschale und Betonhülle), die schwer oder gar nicht zu ersetzen sind, führt der Betreiber die erforderlichen Nachweise.
Das ENSI beurteilt den Zustand der Grosskomponenten als gut (siehe Kapitel 10 der sicherheitstechnischen Stellungnahme). Damit sind aus Sicht des ENSI die Voraussetzungen für einen sicheren Langzeitbetrieb erfüllt.
«Die PSÜ zeigt, dass sich das KKW Leibstadt in einem sicherheitstechnisch guten Zustand befindet und die Voraussetzungen für einen sicheren Langzeitbetrieb erfüllt.»
Ralph Schulz, Leiter des Bereichs Sicherheitsanalyse beim ENSI
Die für den Langzeitbetrieb bereits durchgeführten und geplanten Nachrüstungen, insbesondere im Rahmen der Projekte YUMOD (Umbau des Reaktorumwälzsystems), ERKO (Austausch des Kondensators), NEX (Ersatz der Strahlenschutzinstrumentierung) und SILT (Austausch der Leittechnik), bewertet das ENSI gesamthaft als angemessen und sinnvoll.
Infolge der vom KKW Leibstadt durchgeführten Nachrüstungen und der Einführung weiterer Accident-Management-Massnahmen beurteilt das ENSI die gestaffelte Sicherheitsvorsorge als weiter verbessert. Das ENSI begrüsst die proaktive Haltung des Betreibers, in die Sicherheit des KKW Leibstadt für den Betrieb über 40 Jahre hinaus zu investieren.
Sämtliche Ergebnisse der Prüfung und die ENSI-Forderungen sind in Kapitel 11 «Gesamtbewertung» der Stellungnahme zusammengefasst.
Die PSÜ ist Teil des umfassenden ENSI-Aufsichtsprogramms
Die Fachkräfte des ENSI verschaffen sich fortlaufend einen Überblick über die Sicherheit der Kernanlagen und prüfen, ob der Betrieb die gesetzlichen Leitplanken einhält und der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik berücksichtigt wird. Die PSÜ ist Teil des umfassenden ENSI-Aufsichtsprogramms.









