Die KKW Leibstadt und Beznau halten seltenen und starken Erdbeben stand
Die Kernkraftwerke Leibstadt und Beznau haben aufgezeigt, dass sie ihre Reaktoren bei bzw. nach einem sehr schweren Erdbeben in einen sicheren und stabilen Zustand überführen können. Die einzuhaltenden Dosiswerte von einem bzw. 100 Millisievert werden bei Erdbeben, die nur alle 1’000 bzw. 10’000 Jahre zu erwarten sind, nicht überschritten.
Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat im Jahr 2016 neue Vorgaben für die Erdbebengefährdung der Schweizer Kernkraftwerke (KKW) festgelegt. Diese neuen Vorgaben berücksichtigen die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Das ENSI hat 2016 verfügt, dass die KKW-Betreiber in drei Schritten nachweisen müssen, dass ihre Anlagen auch äusserst seltenen und starken Erdbeben standhalten:
Schritt 1: Nachweis für die Erdbebensicherheit bis Ende 2018 aktualisieren
Schritt 2: Probabilistische Sicherheitsanalyse bis Mitte 2019 aktualisieren
Schritt 3: Erweiterten deterministischen Sicherheitsnachweis bis September 2020 einreichen
Schritt 1: Bis Ende 2018 mussten die KKW-Betreiber ihre bestehenden deterministischen Nachweise für die Erdbebensicherheit aktualisieren. Solche Nachweise hatten die Betreiber 2012 nach dem Reaktorunfall in Fukushima erstellt. Dabei mussten die KKW unter anderem aufzeigen, dass ihre Anlagen ein 10‘000-jährliches Erdbeben unter Einhaltung eines Dosiswerts von 100 Millisievert beherrschen.
Schritt 2: Bis Mitte 2019 mussten die Betreiber die probabilistischen Sicherheitsanalysen (PSA) aktualisieren. Mit einer PSA wird das Risiko von auslegungsüberschreitenden Störfällen quantitativ bestimmt. Ausgewiesen werden dabei beispielsweise Kernschadens- bzw. Freisetzungshäufigkeiten.
Schritt 3: Bis Herbst 2020 mussten die Betreiber dem ENSI einen erweiterten deterministischen Erdbebensicherheitsnachweis einreichen. Dieser umfasst neben dem 10‘000-jährlichen Erdbeben (Störfallkategorie 3) auch das 1’000-jährliche (Störfallkategorie 2) mit einem nachweislich einzuhaltenden Dosiswert von einem Millisievert. Ferner sind für diesen Nachweis unter anderem detailliertere Methoden zur Ermittlung der Erdbebenkapazitäten wichtiger Komponenten anzuwenden. Das ENSI hat die Vorgaben für den erweiterten Nachweis bereits 2014 in einer Aktennotiz festgelegt.
Letzter Schritt für die KKW Mühleberg, Leibstadt und Beznau bereits bestätigt
Das ENSI prüfte die eingereichten und aktualisierten Unterlagen im Detail. Im Jahr 2021 bestätigte das ENSI den Schritt 1 (deterministischer Nachweis für die Erdbebensicherheit in der Störfallkategorie 3) für alle KKW. Im Jahr 2022 konnte das ENSI Schritt 2 (Probabilistische Sicherheitsanalyse) für alle KKW bestätigen.
Die Prüfung der von den KKW Beznau und Leibstadt eingereichten Unterlagen hat ergeben, dass sowohl die Kernkühlung als auch die Kühlung der Brennelementlagerbecken der beiden KKW bei sehr schweren Erdbeben, wie sie alle 1’000 bzw. 10’000 Jahre zu erwarten sind, gewährleistet sind. Dies ist auch der Fall bei einer Kombination von Erdbeben und erdbebenbedingtem Hochwasser. Die nachweislich einzuhaltenden Dosiswerte von 1 bzw. 100 Millisievert würden bei einem solchen Störfall nicht überschritten.
Punktuell hat das ENSI im Rahmen seiner Prüfungen Verbesserungsbedarf festgestellt und erhebt in seinen Stellungnahmen Forderungen, welche die Gesamtergebnisse der durchgeführten Nachweise jedoch nicht grundsätzlich in Frage stellen und im Rahmen der laufenden Aufsicht weiterverfolgt werden.
Im dritten und letzten Schritt der Nachweisführung mussten die KKW-Betreiber sehr detaillierte und methodisch anspruchsvolle deterministische Erdbebensicherheitsnachweise für die Störfallkategorien 2 und 3 erbringen. Diese umfassen technische und radiologische Analysen. Dabei waren mindestens die folgenden Auswirkungen von Erdbeben zu berücksichtigen: Bodenerschütterungen, Bodensetzungen, Erdrutsche, Zerstörung in der Nähe befindlicher Anlagen, welche die Sicherheit der Kernanlage gefährden können, sowie Verlust von nicht erdbebenfesten Systemen, Brand und Überflutung.
Die Betreibergesellschaften der KKW untersuchten in den Jahren 2001 bis 2004 mit dem Projekt PEGASOS (Probabilistische Erdbebengefährdungsanalyse für die KKW-Standorte in der Schweiz) die Erdbebengefährdung an den Standorten der KKW vertieft. Vorgegangen wurde gemäss dem SSHAC Level 4, welches die höchste und damit anspruchsvollste Stufe eines international anerkannten Vorgehens ist.
Nach Abschluss des Projekts PEGASOS wurden national und weltweit in bedeutendem Umfang Erdbebendaten gesammelt und seismologische Modelle erarbeitet. Mit dem Ziel, die Streubreite der Gefährdungsresultate unter Einbezug der neuen Daten und Modelle zu reduzieren, starteten die Kernkraftwerkbetreiber im Jahr 2008 das «PEGASOS Refinement Project» (PRP). Die Schwerpunkte der Verfeinerungen lagen in den neuen Abminderungsgesetzen und in den standortspezifischen Baugrunduntersuchungen.
Im Mai 2016 verfügte das ENSI die Inkraftsetzung der als «Erdbebengefährdungsannahmen ENSI-2015» bezeichneten Resultate. Gleichzeitig forderte das ENSI die KKW-Betreiber auf, die Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage und insbesondere auf das Risiko zu bewerten. Dazu waren, betreffend Erdbeben, bis Ende 2018 die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 vom ENSI geforderten Sicherheitsnachweise zu aktualisieren, sowie bis Mitte 2019 die probabilistische Sicherheitsanalyse und bis Ende September 2020 die erweiterte deterministische Störfallanalyse einzureichen. Das ENSI hat nun seine Stellungnahmen dazu weitgehend abgeschlossen.
Basierend auf den Erkenntnissen aus den Sicherheitsnachweisen der letzten beiden Jahrzehnte wurden laufend Verbesserungen abgeleitet, welche die Robustheit der KKW gegenüber Erdbebeneinwirkungen erhöht haben.
KKW Beznau 2: ENSI erteilt Freigabe zum Wiederanfahren nach Brennelementwechsel
Nach Abschluss des Brennelementwechsels darf das Kernkraftwerk Beznau 2 den Leistungsbetrieb wieder aufnehmen. Das ENSI begleitete die Arbeiten und erteilte am 27. August 2026 die Freigabe zum Wiederanfahren.
Artikel, News
64. Sitzung des Technischen Forums Sicherheit: Diskussion zum Schutz vor digitalen Risiken
Wie können Cyberrisiken für Mitarbeitende, Systeme und sensible Daten zukünftiger geologischer Tiefenlager reduziert werden, insbesondere im Zeitalter KI-gestützter Bedrohungen? Diese Frage stand im Zentrum der 64. Sitzung des Technischen Forums Sicherheit (TFS), das am 11. Juni 2026 in Brugg stattfand.
Artikel, News
Kernanlagen mit geringem Gefährdungspotenzial
Das Paul Scherrer Institut will ein Forschungsprojekt lancieren. Vorgesehen ist, einen Flüssigsalzreaktor zu testen. Hat diese Kernanlage ein geringes Gefährdungspotenzial, ist keine Rahmenbewilligung nötig. Das ENSI konkretisiert, welche Voraussetzungen für eine Kernanlage mit geringem Gefährdungspotenzial erfüllt sein müssen.
News, Technisches Forum Kernkraftwerke
Technisches Forum Kernkraftwerke behandelt «Periodische Sicherheitsüberprüfung»
Am 19. Juni 2026 fand das diesjährige Technische Forum Kernkraftwerke in Aarau statt. Rund dreissig interessierte Teilnehmende von Interessensorganisationen, Behörden und Kernkraftwerkbetreibern tauschten sich zum Thema «Periodische Sicherheitsüberprüfung» aus.
Artikel, News
KKW Gösgen: ENSI erteilt Freigabe zum Wiederanfahren nach Jahresrevision
Das Kernkraftwerk Gösgen darf den Leistungsbetrieb nach der diesjährigen Jahresrevision wieder aufnehmen: Das ENSI hat am 26. Juni 2026 die Freigabe zum Wiederanfahren erteilt.
Artikel, News
Die Kernkraftwerke im Hitzesommer
Hitzetage können einen Einfluss auf den Betrieb der Schweizer Kernanlagen haben. So darf etwa das KKW Beznau aus Gewässerschutzgründen nicht mit voller Leistung betrieben werden, wenn die Aare wärmer als 25 Grad Celsius ist. Sicherheitstechnisch sind Hitzetage für die Schweizer Kernanlagen jedoch kein Problem.
Analyse zur Abweichung bei der Beladung eines Transport- und Lagerbehälters durch das KKW Leibstadt
Am 3. Dezember 2025 stellte das KKW Leibstadt eine Abweichung bei der Beladung eines Transport- und Lagerbehälters für abgebrannte Brennelemente fest: In einem Behälter befanden sich einzelne Brennelemente mit einer Pellet-Anreicherung von bis zu 4,95 % Uran-235 – zulässig sind maximal 4,9 %. Das Vorkommnis hatte keinen Einfluss auf den Anlagenbetrieb.
Am 2. Juni ist es im KKW Leibstadt während eines Turbinentests zu einer automatischen Reaktorschnellabschaltung gekommen.
Artikel, News
Analyse von Unverfügbarkeiten des Notstromdiesels einer Division im Kernkraftwerk Leibstadt
Am 13. August 2025 kam es während eines monatlichen Systemfunktionstests an einem Notstromdiesel im Kernkraftwerk Leibstadt zu einem Schaden an einem Abgasturbolader. Dies zog den Ersatz des gesamten Notstromdiesels nach sich. Die Inbetriebnahme des Ersatzdieselmotors wurde am 24. September abgeschlossen. Eine erneute Unverfügbarkeit ergab sich am 30. September aufgrund sicherheitsgerichteter weiterer Arbeiten durch den Motorenhersteller.…